Wendepunkt zum Guten

Was hat die Pandemie mit Gott zu tun?

Genauer nachgefragt: Wie hat sie mit dem, an den wir glauben, also mit dem Allmächtigen zu tun? Eines ist sicher: Niemand von uns hat den Corona-Virus bestellt. Und doch betrifft er inzwischen einen jeden von uns in irgendeiner Weise.

Hilfreich ist für mich das Tagesgebet des 22. Sonntages im Jahreskreis: „Gott, von dir kommt alles Gute!“ Tatsächlich hat Jesus Gott als den allein Guten genannt (Mt 19,17). An seinem Gutsein will er uns teilhaben lassen. Jesus Christus ist der Weg dazu. In der Verbindung mit ihm gelingt uns das umso mehr. Denn: Was ist in der derzeitigen Corona-Krise mehr angesagt als ein gutes Verhalten, das der jeweiligen Situation angemessen ist?

Dazu gehört zunächst ein Hinhören auf die medizinischen Fachleute. Ihre Kompetenz ist der Ausgangspunkt für das, was nach bestem Wissen und Gewissen zu tun ist. Die Vorsichtsmaßnahmen sind durch die Forschungen der Virologen begründet. Also tun wir das Bestmögliche, was in unserer Macht steht, um uns zu schützen. Das ist gut. Es gibt aber auch die Anderen, die Mitmenschen. An sie zu denken ist besser als gut. Wir können sagen: Entdecke die Möglichkeiten, für andere gut zu sein. Das geht beruflich und privat. Die durch den Corona-Virus ausgelösten Zustände können also bewirken, noch mehr als bisher an die Anderen und deren Lebensumstände zu denken.

Wenn uns von anderen Ländern berichtet wird, sehen wir oft katastrophale Zustände.
Je deutlicher uns das vor Augen geführt wird, desto weniger können wir wegschauen. Sind wir nicht gerade jetzt aufgefordert, noch genauer hinzuschauen? Das wäre nunmehr sehr gut! Hat nicht der Schöpfer die Welt sehr gut gemacht? Es funktioniert alles in einem lebensfreundlichen Zusammenhang. Der Virus hat jetzt ganz viel durcheinander gebracht. Er ist als biologische Existenz weder gut noch böse. Er ist Teil einer natürlichen Dynamik. Wir Menschen haben diese Möglichkeit der Natur unterschätzt. Wer aber schenkt uns die richtige Einschätzung der Natur, wenn nicht der gute Gott, der alles erschaffen hat? Er kann uns als der allein Gute die Einsicht geben, wie wir mit der Natur lebensfreundlich und lebensförderlich umgehen, damit solche Viren dort bleiben, wo sie waren – auf natürlichen Wirtstieren, sofern das noch möglich ist.

Aber es stellt sich ja die Frage, ob der Herrgott die Ausbreitung des Virus zugelassen hat, damit wir unser Verhalten ändern?

Ohne die Corona-Pandemie wäre es den Ärmsten der Armen durch uns nicht allzu viel besser gegangen, stattdessen sieht das Auge der Christen den leidenden Christus in den Ärmsten der Armen, denen schon längst hätte geholfen werden können.

Aber wir denken zu sehr an uns und verschanzen uns in unseren ausgebauten „Festungen“ an Sicherheiten. Der leidende Christus in den betroffenen Menschen der Pandemie und der Armut wurde und wird umso mehr offenbar. Das nimmt die Christen und alle, die das so sehen können, umso mehr in die Pflicht, aus dem Vorrat an Gutem, das von Gott kommt, neu zu schöpfen. Für die anderen leben, „damit sie das Leben haben“ (Joh 10,10), ist die Lösung gegen den Virus. Das tun schon Ärzte und Pfleger und Forscher, aber auch wir können dazu einen Beitrag leisten, etwa durch eine entsprechende Spende an Hilfsorganisationen. Damit sind wir ganz bei Christus, dem wir das sogar ewige Leben verdanken.

Tue also das Gute und rede darüber oder rede nicht darüber, aber tue es. Tu das Gute von Gott her, von dem alles Gute kommt. Die Konzentration auf das Gute findet sich in jeder Religion.

Wie also stehen Gott und die Pandemie zueinander? Meine Antwort: Gott will, dass wir sie im Guten überwinden – miteinander und füreinander! So wird die Krise ein Wendepunkt zum Guten.

Für uns Christen heißt das, mehr aus Gott zu leben, so wie Jesus es meint. Es könnte ja sein, dass die Welt nach der Pandemie besser aufgestellt ist als vorher.

Pfarrer Karl Enderle