Denkanstöße und Zitate
aus den dreiunddreißig Predigten, die Pater Josef Kentenich in der Zeit vom 19. April bis 18. Mai in Ennabeuren gehalten hat:
(Aus: Josef Kentenich, Unsere Marianische Sendung – Ansprachen in Ennabeuren)
Wir sagen Maria: Zeige, dass du Mutter bist, und ich will zeigen, dass ich dein Kind bin.
22. April 1945
Impuls
Zeige Maria, dass du sie magst, indem du ein Licht anzündest.
Schlagen wir nur einmal das Buch der Vatersorge Gottes auf. Es ist das Buch der Bücher: die Heilige Schrift und das Buch meines persönlichen Lebens.
26. April 1945
Impuls
Schlag die Bibel auf, schreibe das Wort auf, das Gott dir sagen will, und pinne den Zettel an das Kreuz.
Legt jeden Abend die Leiter an ... Seht Gottes Liebe an der Spitze von allen Ereignissen und Erlebnissen des Tages. Das ist praktische Frömmigkeit für jeden, ist Werktagsheiligkeit. Fangt gleich heute Abend damit an und überlegt: Wo ist Gott mir heute begegnet? Fangt gleich heute Abend damit an und überlegt: Wo ist Gott mir heute begegnet? Wo hat er mich gegrüßt? Wo war er gut zu mir? ... Ihr entdeckt dann immer herrlicher das unendliche Meer der Liebe und Vatersorge und der Erbarmungen Gottes. Ihr lernt dadurch das Danken.
26. April 1945
Impuls
In welchem Ereignis kann ICH heute Gottes Liebe erkennen?
Hinter allen Ereignissen unseres Lebens ist Gott verborgen, und zwar Gottes Liebe und Vatersorge. Es mag sich da (handeln) … um eine Blume, ein Vöglein oder den Sonnenaufgang, um Erlebnisse voll Freude oder Ereignisse voll Leid. Über allem steht Gottes Liebe und Sorge um uns. Leider sehen wir Gott oft nicht gleich.
Impuls
Begib dich auf Spurensuche und werde selber zu einer Spur Gottes. Male mit Kreide deine Fußspur auf den Boden. Andere können dann erkennen: „Da war schon jemand vor mir da!“
Alles in unserem Leben – auch Kreuz und Leid – ist nichts anderes als ein Gruß der Liebe Gottes.
26. April 1945
Wir haben heute nicht viel Zeit, Bücher über die Vaterliebe Gottes zu lesen. Ein Buch ist immer da, immer aufgeschlagen: unser Leben und die Natur.
26. April 1945
Es gibt keinen Zufall. Gott fügt alles, leitet alles, lässt alles zu. Er steht hinter und über allem. Gott ist an der Spitze aller Ereignisse.
26. April 1945
Wir müssen Gott ... unser Herz schenken. Wir müssen Gottes Liebe erwidern in unserem Gebet, in unserer Arbeit, in unseren Opfern. Wir müssen leben mit Gott, für Gott, aus Liebe zu Gott!
26. April 1945
Gott ist Vater, Gott ist gut, gut ist alles, was er tut! Dieses Merkwort soll nicht bloß Tagesparole, sondern die Losung für unser ganzes Leben sein.
26. April 1945
Wir sollen immer und überall ein herzhaftes, frohes Ja auch zu den schwierigsten Einzelheiten des Lebensplanes sprechen, den Gott für uns in seiner Vaterliebe entworfen hat.
26. April 1945
Wir sind alle Abc-Schützen geblieben in der Lektüre des Buches der Ewigen Weisheit und Liebe, wie es sich in unserem Leben offenbart.
26. April 1945
Wir gehen wie die Tiere durchs Leben, mit dem Kopf nach unten.
Sursum corda! Himmelwärts!
26. April 1945
Ein Gedicht aus überaus schwerer Zeit, die wir im KZ Dachau mitmachen mussten. ... Einer nach dem anderen starb. Keiner wusste, wann er an die Reihe kam, und doch: „Kennst du das Land, von Freud durchweht ...“
26. April 1945
Anmerkung: Von J. Kentenich selbst im KZ Dachau verfasst.
Kennst du das Land, von Freud durchweht, weil nie die Sonne untergeht:
Wo im Besitz der ewigen Güter in Ruhe leben die Gemüter,
wo Herz und Wille stets sich laben an Gottes überreichen Gaben;
wo schnell der Zauberstab der Liebe in Freude wandelt alles Trübe?
Dies Wunderland ist mir bekannt, ...mein Heimatland, mein Schönstattland.
Das ist es, was wir brauchen: ein frohes, kein trauriges Christentum.
26. April 1945
Wenn ich mich Maria weihe, opfere ich ihr alles. Sie weiß um meine Liebe. Sie schenkt mir ihre ganze mütterliche Sorge und Liebe. Sie bewahrt mich, wenn Gott es so will, vor Leid, oder sie versüßt das Leid.
26. April 1945
Wenn wir über und hinter allen Dingen und Ereignissen die Weisheit und Liebe Gottes sehen, dann sind wir immer und überall froh und fidel.
26. April 1945
Wir eilen zu Maria mit vertrauensvoll geöffneten Händen. Das darf uns aber nicht genügen. Wir müssen mit gefüllten Händen kommen. Wir müssen Abbilder Mariens sein. Und Maria ist Helferin, ist hervorragende Mithelferin Christi bei seinem gesamten Erlösungswerk.
26. April 1945
Alles, was während des Tages und der Woche geschieht, hat Gott schon von Ewigkeit her aus Liebe zu uns vorgesehen. Wir wollen jeden Abend nachkosten, wo uns Gott begegnet ist und wo er lieb zu uns war.
27. April 1945
Impuls
Nimm ein Bonbon aus der Dose und „verkoste“ es. Was gibt es heute zu verkosten?
Nun dürfen wir aber nicht nur sagen: Da haben wir mal Glück gehabt!, sondern müssen hinter all dem Guten, das wir erlebt haben, Gottes Liebe und Gottes Vatersorge sehen. Deshalb danken! Und wir müssen uns auch üben in der Dankbarkeit.
27. April 1945
Impuls
Wofür möchte ICH heute Gott danken?
Schreib auf den grünen Zettel, wie du den Dank erwiderst, und wirf ihn in den Krug.
Maria ist glorreiche Königin ... Sie ... hat den Auftrag und die Macht, den Einfluss des Teufels zu zerstören. Wie schön ist Maria! Schade, dass wir so wenig Gelegenheit, Zeit und Lust haben, diese wunderbare Welt zu betrachten.
2. Mai 1945
Wir dürfen nicht hinter den anderen zurückstehen. Wir müssen den anderen vorangehen.
2. Mai 1945
Wer heute nur mittelmäßig sich Christus hingibt, kommt unter die Räder ... In diesem gewaltigen Kampf der Geister ist der Rosenkranz der Freund, der uns hilft, uns für Christus und gegen Satan zu entscheiden.
3. Mai 1945
Gott verlangt eine gewisse Harmonie von Arbeit und Gebet. Wenn diese gestört ist, kommt alles durcheinander im öffentlichen und privaten Leben.
6. Mai 1945
Wenn wir mehr gebetet und weniger gearbeitet und gewühlt hätten, stände es besser um uns.
6. Mai 1945
Wenn wir fliegen wollen, brauchen wir Flügel. Der wesentlichste Flügel ist das Gebet. Wenn dieser gebrochen ist, sind wir arme Wesen.
6. Mai 1945
Pflegen wir ... die Unterhaltung mit dem lieben Gott. Wir brauchen dazu nicht wohl gesetzte Worte. Der liebe Gott versteht unser Schwäbisch.
6. Mai 1945
Wir müssen Realpolitiker sein. [...] Wer den lieben Gott zum Bundesgenossen hat, ist die stärkste Partei.
6. Mai 1945
Wer sein Herz nicht zum Himmel erhebt, dem wird die Welt zur Hölle.
6. Mai 1945
Das verlorene Bewusstsein der Abhängigkeit von Gott ist das größte Unglück. Nicht der Krieg und auch nicht die Verwüstung unserer Kultur durch die Bomben sind das größte Unglück, sondern der verlorene Kindessinn.
6. Mai 1945
Heute ist bald jeder Universitäts-Professor. Doch je mehr wir wissen, desto weniger Wahrheit ist in uns.
6. Mai 1945
Wir müssen gegen den Strom schwimmen. Wir dürfen in religiösen Dingen keine Pappschachteln sein, die bei jedem Stoß gleich zusammenfallen.
6. Mai 1945
Der Herrgott behandelt uns nicht als Nummer. Wir sollen und dürfen Mitarbeiter Gottes sein. ... Ich bin Mitarbeiter des allmächtigen Gottes.
6. Mai 1945
Wenn Hettrich betet, Gombold betet, regiert er das Land, das ist seine Familie.
6. Mai 1945
Anmerkung: Jede/r setze ihren/seinen Namen ein.
Wir sind im übernatürlichen Bezirk so dumm, so beschränkt, so gescheit wir auch sonst sein mögen.
7. Mai 1945
Ohne Gott und gegen Gott ist der Mensch ein Nichts, ein Strohhalm. Wir wollen Eichen sein. Deshalb vermählen wir uns mit Gott.
7. Mai 1945
Ennabeuren ecce orat. Ist Ennabeuren eine Gemeinde, die nicht bloß schafft, sondern auch betet, dann ist es eine Ideal-Gemeinde, wie Gott sie braucht.
7. Mai 1945
Anmerkung: Ennabeuren eine betende Gemeinde! Kann auf jede Gemeinde übertragen werden!
Wahrheit, Gerechtigkeit und Liebe sind die Spuren Christi und Mariens. Ihnen müssen wir folgen, damit wir wahren Frieden, damit wir dauernden Frieden finden.
8. Mai 1945
Wo besiegte Völker angefangen haben, in sich zu gehen und die Lehre aus dem verlorenen Sieg zu ziehen, wo sich langsam ansteigend die Reform der Familie, der Gesellschaft, des ganzen Volkes angebahnt hat, da war die Grundlage für den endgültigen Frieden geschaffen. Geht unser Volk diesen Weg?
9. Mai 1945
Jeder aus uns muss sagen: Auf mich kommt es an!
9. Mai 1945
Jesus und Maria müssen herrschen in Herz und Familie und Pfarrgemeinde. Wenn die Morgenröte scheint, muss bald die Sonne kommen. Christus will in uns herrschen.
9. Mai 1945
Wir ziehen durch die Markung, betteln um Früchte der Felder, aber noch mehr um sittlich-religiöse Erneuerung der Pfarrgemeinde, der Pfarreien der Alb-Heimat. Die Gottesmutter und Christus sollen herrschen. Dann wird auch in allem Sonstigen das Volk und die Heimat aufblühen.
9. Mai 1945
Siegeszuversicht! Die Morgenröte steigt auf! Mit uns geht die neue Zeit!
9. Mai 1945
Wollen wir die Welt erneuern, müssen wir die Familien erneuern!
9. Mai 1945
Meine Familie muss sein ein Idealreich der Wahrheit, der Gerechtigkeit und der Liebe
9. Mai 1945
Das ist die einzige Bibel, die der moderne Mensch noch liest: Das Leben der Christen ..., der christlichen Familie. Diese Bibel müssen und dürfen wir selber schreiben und formen.
9. Mai 1945
Alle großen Probleme der Welt müssen gelöst werden im kleinen Raum: im Stall, in der Schlafkammer, in Haus und Hof.
9. Mai 1945
Empor die Herzen! Nicht auf der Erde kleben bleiben!
10. Mai 1945 in Westerheim
Es ist nicht ausgeschlossen, dass in absehbarer Zeit der so schwer geprüfte Dorfteil als ein Dokument Eurer Haltung größer und schöner dasteht, als er gewesen ist. Wie viel Edles ist in den Seelen geweckt ... Wie wird das Gemeindeleben blühen.
10. Mai 1945 in Westerheim
Wir müssen das Gottesbild studieren, wenn wir hinter die Geheimnisse des Menschenbildes kommen wollen! Das Gottesbild bestimmt wesentlich das Menschenbild. Gott ist der größte Schutz für das Menschenbild.
11. Mai 1945
Ohne Gott ist der Mensch nur ein Stück Maschine.
11. Mai 1945
Diese Welt ist nicht meine Heimat. Ich bin auf dem Weg.
12. Mai 1945
Wir haben in Dachau die vollständige Entwürdigung der menschlichen Persönlichkeit gesehen, gehört und erlebt. In dieser Hölle da drüben entstand das Credo der christlichen Persönlichkeit: Ich bin Glied Jesu Christi, Kind Gottes, Wohnung des Dreifaltigen Gottes, Gottes Liebling, Augapfel des Vatergottes ...!
13. Mai 1945
Wo christliches Gottes- und Menschenbild verzeichnet und verzerrt wird, sinkt immer die Menschenwürde. Wo der Mensch emporsteigt zu Gott in Christus, da strahlt die Menschenwürde immer heller auf.
13. Mai 1945
Weil wir so wenig unser eigenes „Banner“ kennen, laufen wir so gern den anderen „Bannern“ nach.
13. Mai 1945
Wie leibliches Leben aufhört ohne leibliche Speise, so das Leben der Seele ohne Seelenspeise. Das Gotteskind braucht göttliche Speise.
13. Mai 1945
So sollen wir gesinnt sein: Lieber Gott, alles ist ein Gruß von dir! Auch jedes Leid ist ein Gruß von Gott.
13. Mai 1945
Jedes Leid ist Weichenstellung des Vaters. Es drängt mich zur Entscheidung, hin zu Gott.
13. Mai 1945
Liebe Eltern! Ihr müsst Euren Kindern die Ehrfurcht vor der Würde des Menschen mitteilen. Ihr müsst selber immer mehr – wie die Sonnenblume sich nach der Sonne wendet – auf Gott hinschauen und Eure Familie in den warmen, hellen Sonnenschein der Wirklichkeit des göttlichen Lebens und der göttlichen Vorsehung stellen. Amen.
13. Mai 1945
Wir wollen bitten um die Gnade der Beharrlichkeit für uns, für Ennabeuren, für die Familie. Beharrlichkeit bis zum Tod ist die größte Gnade.
16. Mai 1945
Ihr müsst Eure Kinder zu Maria führen, sie aufhüpfen lassen vor Freude in der Gemeinschaft mit Maria und Jesus. Ihr müsst Eure Kinder Maria anvertrauen, dann sind sie versorgt, geborgen, gesichert.
17. Mai 1945
Maria ist über das Gebirge auch eilends zu uns auf die Alb gekommen. Sie hat die Alb gegrüßt. Wir erwidern voll Freude ihren Gruß und vollenden täglich, was dem Gruß des Engels noch fehlt.
17. Mai 1945
Wir wollen später wieder das Thermometer anlegen. Die Treue soll dann gewachsen sein. Treue in Ewigkeit. ... Wir bleiben auch im Himmel beieinander. Es bleibt dabei: Wir bleiben treu in alle Ewigkeit! Amen.
18. Mai 1945

